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Ist die Promotion eine gute Entscheidung?

Gespeichert von queen am Mi, 30. Oktober 2013 - 21:09

Promotion ist ein langer und schwieriger Weg, den sich viele Absolventen auf sich nehmen. Gründe dafür sind recht vielfältig. Einige Doktoranden promovieren, um später an der Uni arbeiten zu können oder um in die Forschung zu gehen. Für viele Stellen außerhalb der Universität ist es auch vorteilhaft eine Promotion zu haben. Viele Doktoranden erhoffen sich eine sichere Stelle und gute Verdienstmöglichkeiten nach dem Abschluss ihrer Dissertation.

Wie sieht jedoch die Realität aus? Ist die Promotion in der Tat eine gute Entscheidung? Es gibt viele Punkte, die dafür und dagegen sprechen. Natürlich ist die individuelle Situation jedes Einzelnen sehr unterschiedlich um eine eindeutige Antwort auf diese Frage geben zu können. Dennoch gibt es Aspekte, die für jeden wichtig sind und bei der Entscheidung eine signifikante Rolle spielen.

Promotion ist ein einsamer Prozess. Sie verläuft ganz anders als Studium. Während des Studiums hat man viele Vorlesungen, Seminare, Übungen etc., die man gemeinsam mit vielen anderen Studenten belegt. Es gibt feste Fristen und am Ende jedes Semester steht entweder eine Prüfung, eine Hausarbeit oder eine andere Aufgabe an, die für alle Studenten gleich ist. An dem Promotionsprozess ist jedoch nur der Promovierende beteiligt. Der Doktorvater bzw. die Doktormutter kann zwar den Promovierenden beraten. Er wird jedoch derjenige sein, der sich mit der Aufgabe auseinander setzt und täglich recherchiert oder schreibt.

Viele unterschätzen, dass dieser Prozess sehr viel Selbstmotivation und Disziplin verlangt. Meistens gibt es auch nicht bestimmte Fristen, an die man sich halten muss. Der Doktorand bestimmt in der Regel selber, wann er arbeitet und wie viel Zeit er in seine Doktorarbeit investiert. Auf der einen Seite kann das sehr verlockend sein, denn es gibt keine feste Uhrzeit, an die man sich richten muss. Man ist auf jeden Fall viel flexibler als im Studium oder auf der Arbeit. Es ist nicht ungewöhnlich, dass viele Doktoranden auch abends und an den Wochenenden noch im Büro sitzen und an ihrer Dissertation arbeiten. Auf der anderen Seite kann es jedoch Probleme bereiten, nicht feste Arbeitszeiten zu haben. Es kann für einige Doktoranden durchaus schwierig sein, sich zu motivieren.

Das ist auch einer der Gründe, warum die meisten Promovierenden, die Promotion nicht innerhalb von drei Jahren abschließen können. Denn Denken ist anstrengend und nicht vergleichbar mit körperlicher Arbeit. Es verlangt viel Konzentration und das ist keine leichte Aufgabe. Man könnte täglich acht Stunden körperlich arbeiten und hätte am Abend des Tages das Gefühl, man hätte einen produktiven Tag hinter sich. Leider ist es anders mit der Promotion. Man kann den ganzen Tag an der Doktorarbeit sitzen und am Abend hat man immer noch nicht das Gefühl man kommt voran.

Das liegt zum Teil auch daran, dass die Dissertation ein neuer Beitrag zur Wissenschaft darstellen soll. Am Anfang wissen die meisten Studenten nicht, wie die Dissertation am Ende aussieht. Die meisten benutzen auch nicht die Kapitel, die sie im ersten Jahr geschrieben haben, weil die Dissertation sich erst im Laufe der Jahre entwickelt.

Zudem sind die Auswahl des Supervisors und die Beziehung zu ihm sehr wichtig. Die meisten Doktoranden suchen sich jemanden aus, der sich in dem Bereich gut auskennt, damit er als Berater den Doktoranden auch unterstützen kann. Im Laufe der Zeit entwickelt man eine persönliche Beziehung zu dem Doktorvater oder zu der Doktormutter. Deswegen ist es wichtig, dass die Beziehung auch auf der persönlichen Ebene klappt.

Die Beziehung läuft leider nicht immer reibungslos. Es kann vorkommen, dass man mit dem Supervisor überhaupt nicht zurecht kommt. In dem Falle kann man sich überlegen, ob ein neuer Supervisor mehr Sinn macht. Manchmal verlässt aber der Doktorvater bzw. die Doktormutter die Universität. In vielen Fällen wird es dann schwierig, jemanden zu finden, der bereit ist, die Dissertation zu betreuen. Zudem muss diese Person auch kompetent sein und sich mit dem Bereich auskennen. Einige Dissertationen scheitern allein aus dem Grund, dass der Supervisor die Universität verlässt und man keinen Ersatzsupervisor finden kann.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Finanzierung der Promotion. Es gibt viele ausgeschriebene Promotionsstellen, die natürlich bezahlt werden. Es gibt auch viele Stiftungen, die Doktoranden fördern. In der Regel beträgt ein Stipendium monatlich ca. 1150 Euro. Damit kann man durchaus leben. Falls der Doktorand jedoch kein Stipendium erhält, kann es ein ziemlich problematischer Prozess werden. Einerseits kann fehlende Unterstützung die Motivation des Doktoranden beeinflussen, weil der Doktorand für seinen Beitrag zur Wissenschaft keine Unterstützung - zumindest während seiner Dissertation – bekommt. Er müsste auch noch Geld dazu bezahlen, dass er mehrere Jahre seines Lebens zu einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten wissenschaftlichen Frage widmet. Außerdem muss man auch für seinen Lebensunterhalt sorgen, seine Rechnungen bezahlen können. Einige Doktoranden arbeiten nebenbei, um ihre Kosten decken zu können, welches wiederum die Promotion in die Länge zieht. Das ist auch einer der Gründe, warum einige Doktoranden ihre Dissertation nie abschließen.

Es ist sicherlich ein großer Erfolg, die Promotion erfolgreich zu beenden, auch wenn man es nicht in der Regelzeit geschafft hat. Die Promovierten erhoffen sich natürlich danach eine passende Stelle, die all die Mühe und Zeit Wert ist. Man müsste sich auch danach im Klaren sein, dass es viele Konkurrenten geben wird. Die Universitäten schauen bei den Promovierten, ob sie beispielsweise ihre Dissertation auf Tagungen präsentiert haben, ob sie viele Veröffentlichungen haben und wie relevant die Publikationen sind, und ob man während der Dissertation auch an der Uni gelehrt hat. Anhand dessen entscheiden sie, wen sie lieber am Bord haben möchten. Diesen Punkt sollte man daher während der Dissertation unbedingt im Hinterkopf behalten und daran arbeiten, dass man später auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen hat.

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