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Warum ist "Loser" ein Schimpfwort in westlichen Kulturen? Geht es um jeden Preis immer um "Gewinnen"?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am Sa., 05. Oktober 2013 - 15:55

Vor ein paar Jahren bin ich ca. 4000km geflogen und nach Europa umgezogen. Ich habe in Italien, Frankreich und Belgien gelebt. Und endlich habe ich für Deutschland entschieden.

Es gibt viele Unterschiede zwischen unseren Kultur und westlichen Kulturen. Es gibt viele Merkmale. Vielleicht die einfachste Beispiel wäre das Schimpfwort "Loser". Es bedeutet Verlierer und ist fast in allen westlichen Sprachen ein Schimpfwort. Warum ist es so schlimm zu verlieren? Geht es um immer gewinnen und um jeden Preis?

In unseren Kultur geht es mehr um die richtige Haltung. Egal ob man dabei Loser oder Winner wird. Aber wenn man mit richtiger Haltung gewinnt das ist noch besser. Dann wird man zum Held.

Ich finde es total gut, dass in einigen Kulturen es anders ist als in Deutschland, wenn es ums Gewinnen oder Verlieren geht.

Aber auf der Erde gibt es zwei Arten von Gesellschaften. Die einen legen viel Wert darauf, dass man als Familie oder Gruppe funktioniert. Das bedeutet man beschützt sich gegenseitig, ist für einander da. Es wird sehr viel Wert auf die Gemeinschaft oder Familie gelegt und jeder einzelne trägt dazu bei, dass es funktioniert.

In Europa herrscht die zweite Form der Gesellschaft, die sehr stark durch den Individualismus geprägt ist. Hier spielen Familien oder Gruppen eine untergeordnete Rolle. Jeder Einzelne muss sich durchkämpfen, um sozusagen seinen Platz zu bekommen. Deswegen ist es wichtig, nicht zu verlieren. Denn sonst gibt es nicht unbedingt jemanden, der dir helfen kann. Man muss allein beweisen, dass man es schafft.

lady schrieb:
"Die einen legen viel Wert darauf, dass man als Familie oder Gruppe funktioniert. Das bedeutet man beschützt sich gegenseitig, ..."

Auch in solchen Gesellschaften gibt es Konkurrenzkämpfe. Sie treten als Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen den Familien oder Gruppen auf.

Ein 'Loser' ist dort folglich jemand, der keine Verbindung zu einer starken Familie oder Gruppe hat.  

Allein diese Sichtweise, Menschen in "Gewinner" und "Verlierer" zu unterscheiden ist meiner Meinung nach schon unmenschlich oder zumindest asozial. Ich glaube diese Sichtweise wurde in den USA kreiert, wo sie äußerst beliebt ist. In den USA war es ja in der jüngeren Vergangenheit auch weniger wichtig was ein Mensch arbeitet bzw. welchen Beruf er erlernt hat und ausführt, sondern es wurde schlicht gefragt: "Wieviel Geld machst du im Monat?"; daraus wurde und wird seine Bedeutung oder Wichtigkeit in der Gesellschaft abgeleitet. Diese Prinzip zu hinterfragen ist schon ein bedeutender Schritt. Nicht alles was aus den USA kommt ist gut, das gilt in jüngster Zeit mehr denn je. Die USA wurde von gottesfürchtigen Menschen, die in Freiheit leben wollten gegründet (in god we trust) stand sogar auf ihren Münzen, was das betrifft und ihre Ausprägung von Demokratie, hat sich dort ein grundlegender Wandel vollzogen. Die Herrschaft des Geldes und ihre faktische Anbetung, d. h. der Glaube an die Macht des Geldes, haben auch zur Aufteilung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer geführt. Aber die Gewinner sollten eines bedenken, dass es keinen Gewinner ohne einen Verlierer gibt, wo Gewinner sind müssen auch Verlierer sein. Die Verlierer aber im Sinne eines Sozial-Darwinismus auch noch zu diskreditieren, indem man diese Wort schon als Schimpfwort benutzt und sie so zu dikriminieren ist reiner Hochmut. Der Gewinner wird zum besseren, weil angepassteren Menschen, der sein Überleben sichert und der Verlierer hat zu verschwinden. Die Logik dieses Auswahlprozesses schafft letztendlich ichzentrierte, gegenüber ihren Mitmenschen gnadenlose Charaktere. Haben wir innerhalb von ein paar tausend Jahren unserer Zivilisation soweit entwickelt, um am Ende wieder bei fressen oder gefressen werden zu landen? Das kann ich mir nicht vorstellen.

 
 
 

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am Do., 01. Mai 2014 - 15:01

>> Haben wir innerhalb von ein paar tausend Jahren unserer Zivilisation soweit entwickelt, um am Ende wieder bei fressen oder gefressen werden zu landen?

Das da oben ist ein schöner Satz, was alles gut erklärt. Trotzdem habe ich das Gefühl dass Ethik immer weniger wichtig ist. Fast jeder will schnell wie möglich reich werden egal wie. Ehrliche Geschäftsmänner die durch Langzeit Arbeit und Vertrauen erfolgreich sind, sind keine Vorbilder mehr, sondern Leute wie Kim Dotcom die aus nichts plötzlich reich geworden sind. Hauptsache man hat Lücken in Gesetze gefunden und nutzt sie aus bis man reich ist.

 
 
 

Gespeichert von Joran (nicht überprüft) am Fr., 09. Mai 2014 - 17:30

... wird mit dem Wort "Loser" (als Abwertung oder Vorwurf gemeint) nur selten jemand bezeichnet, der es nicht geschafft hat einen anderen konkret zu besiegen. Vielmehr geht es hier um Menschen mit charakterlichen Defiziten, die den Anschluss verloren haben und nicht das erreichen, was die anderen Menschen leicht erreichen können.

Offenbar steckt der Gedanke dahinter, dass sie diesen Zustand selbst beheben könnten indem sie ihren Charakter änderten. Aber das ist natürlich häufig nicht der Fall.

 

 
 
 

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am Mo., 18. Juli 2022 - 10:31

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