Unterschiedliche Arten von "Ehre".
Das Wort Ehre kann Verschiedenes bedeuten. Ganz allgemein gibt es eine "persönliche Ehre" und eine "kollektive Ehre".
Die persönliche Ehre ergibt sich aus Charaktereigenschaften eines Menschen. Dazu gehören Dinge wie Ehrlichkeit, Respekt gegenüber anderen Menschen, Verantwortung, Bereitschaft eigene Fehler zuzugeben, Hilfsbereitschaft, und einiges mehr. In der heutigen westlichen Welt scheint dieser Ehrbegriff zu dominieren.
Die kollektive Ehre ist dagegen ein Code für die Regeln einer Gruppe. Eine Maßnahme zur "Wiederherstellung der Ehre" ist in Wahrheit die Bestrafung, die einen Verstoß gegen diese Regeln sühnt. (Je nach Denkweise der Gruppe ist der Bestrafte nicht immer der Schuldige.)
Für Gruppen, die eine "kollektive Ehre" definieren, lassen sich viele Beispiele finden. Hier ist eine Auswahl:
- Großfamilien oder Clans in traditionalistischen Gesellschaften. Typisch ist hier der "Ehrenmord".
- Adlige Offiziere in Europa (u.a. Deutschland) bis etwa 19. Jh. Hier ist es das Duell.
- Samurai im alten Japan. Die "Maßnahme" ist hier das Harakiri, genauer gesagt die Aufforderung dazu.
- Mafia-Organisationen in verschiedenen Ländern, besonders ausgeprägt in Italien und Nordamerika. Auch hier wurde/wird wegen der "Ehre" gemordet.
Im abgewandelten Sinn kann man die kollektive Ehre heute an vielen Stellen finden. Beispielsweise verstößt ein Wissenschaftler gegen die kollektive Ehre seines Berufsstandes, wenn er erfundene Zahlen als Messwerte oder fremde Ergebnisse als eigene Leistung ausgibt. Als Folge verliert er sein Ansehen und kann es nur durch Reue und Ehrlichkeit langsam wiederbekommen.