Genus und Sexus.
Ich denke, dass es da keine einfache Erklärung gibt. Das Genus (grammatisches Geschlecht) eines (belebten) Nomens wird tatsächlich oft vom Sexus (semantisches oder biologisches Geschlecht) bestimmt. Aber das ist halt nicht immer so.
Denn es gibt verschiedene Faktoren, von denen das Genus anhängen kann. Bei alten Wörtern liegen diese weit in der Vergangenheit und sind heute vielleicht nicht mehr nachvollziehbar. Es kann zum Beispiel mit der Herkunft aus anderen Sprachen zu tun haben, mit der Veränderung der Sprache im Laufe der Jahrhunderte, mit Verschiebungen der Bedeutung, mit der Wechselwirkung zwischen (zufällig ähnlichen) Wörtern.
Dem einschlägigen Wikipedia-Artikel entnehme ich im Wesentlichen, dass die Sprachwissenschaft auch keine plausiblen Erklärungen dafür hat.
Aber ich habe noch ein paar Beispiele.
Sexus: männlich und weiblich:
- der Mensch - die Menschen
- der Sopran - die Soprane
- der Gast - die Gäste
- der Teenager - die Teenager
- der Störenfried - die Störenfriede
- der Feigling - die Feiglinge
- die Person - die Personen
- die Fachkraft - die Fachkräfte
- die Majestät - die Majestäten
- die Geisel - die Geiseln
- die Waise - die Waisen
- die Nachtwache - die Nachtwachen
- die Landratte - die Landratten
Sexus: weiblich:
- das Weib - die Weiber
- das Mädchen - die Mädchen
- das Mensch - die Menscher
- der Backfisch - die Backfische
- der Vamp - die Vamps
Sexus: männlich:
- die Eminenz - die Eminenzen
- die Memme- die Memmen
- die Tunte - die Tunten
- das Knäblein - die Knäblein
- das Mannsbild - die Mannsbilder
Es bleibt das Fazit, dass das Genus im Deutschen keinen zuverlässigen Rückschluss auf den Sexus ermöglicht. Diese Tatsache kollidiert zur Zeit mit einigen Bestrebungen zur Einführung einer "gendergerechten Sprache" (Gender = soziales Geschlecht). Die Lösungsversuche verbiegen die deutsche Sprache und sind mitunter sehr praxisfern.