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Groß oder Gross? Welche Schreibweise ist richtig?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am So., 22. April 2012 - 21:16

Klar bin ich Ausländer sonst würde ich diese Frage nicht stellen :)

Welche ist grammatisch richtig; Groß oder Gross? In Sprachkursa sagte man dass man statt ß immer ss schreiben soll. Aber meine Office Sprachkorrekturassistent unterzeichnet gross immer rot bis ich mit groß ersetzt habe.

Hallo.

Es heißt, auch nach neuer Rechtschreibung, "groß".

Sprichst du den Vokal vor dem "s"-Laut lang aus, dann schreibst du -ß-, sprichst du hingegen den Vokal kurz aus, dann wird es zu -ss-.

Als Beispiel kannst du immer folgende zwei Begriffe nehmen:
"Kuss" (u kurz, also ss) und
"Gruß" (u lang, also ß).

Wenn vor dem ss/ß-Laut ein Doppelvokal steht (-ei z.B.) schreibt man immer -ß (weiß, heißen...).
Genau hinschauen musst du allerdings bei Umlauten, wo es wieder die kurze bzw. lange Aussprache ausmacht.
Nimm da die Verbformen der oben genannten Begriffe und du hast die Lösung:
"jemanden grüßen" = ü lang ausgesprochen, demnach ß als Lösung
"jemanden küssen" = ü kurz ausgesprochen, demnach ss als Lösung.

Ein Beispiel, wo es wechselt, ist das Wort "wissen".
"Ich weiß etwas" = ß weil Doppelvokal
"Ich will das wissen" = i kurz ausgesprochen, demnach ss als Lösung.

Die Aussage, dass man das "ß" jetzt immer durch ein "ss" ersetzt, ist falsch!

Ja und es ist wirklich schlimm, immer von "Strassen" lesen zu müssen.
Das Wort spricht sich in dieser (falschen!) Schreibweise mit einem kurzen "A"
wie z.B. bei "Ass" oder "Bass". Die "Straße" mit langem "A" wird also
zur "Strasse" mit kurzem "A".

Dasselbe wäre bei dem Wort "groß": Das Wort würde zu "gross" mit kurzem "O", wie z.B. bei dem Wort "Boss" oder "Gosse". Es ist aber der "große Boss" und nicht der "grosse Boss". Oder auch bei "Schoß". Schreibt man "Schoss", wäre es eine Vergangenheitsform des Tätigkeitsworts "schießen".

Ganz schlecht wird es bei Worten wie "Maß" (Angabe einer Größe für ein gemessene Teilmenge, wie z.B. cm eine Maßeinheit für das Messen einer Länge sind)
und "Mass" (falsche Schreibweise von Maß):

Hier verändert die falsche Schreibweise sogar den Sinn:
Das Wort "Mass" würde sich von dem Wort "Masse" abgeleitet werden (kurzes "A"), ein Wort, das in der Physik eine Eigenschaft von Materie darstellt.

Wenn also auf einem Auto eines Handwerkers steht "Wir fertigen Masse nach Ihrem Wunsch", dann steht da nicht mehr das, was der Handwerker eigentlich sagen wollte.

Der Vollständigkeit halber:

  1. Falls man kein ß zur Verfügung hat, darf man behelfsmäßig ss schreiben.
  2. In der Schweiz und in Liechtenstein gelten andere Regeln für die deutsche Rechtschreibung, hier wird immer ss geschrieben.

Bei den Schweizern kann man also nicht unterscheiden, ob sie in Maßen trinken oder in Massen. ;-)

Für Fall 1 gab es früher auch andere Lösungen (z.B. sz). Immer falsch ist das Ersetzen mit B (großes b) oder β (beta).

Einen Ersatz braucht man häufig, wenn man keine deutsche Tastatur benutzt (und keinen umständlichen Code eingeben will) oder wenn man das ganze Wort in GROSSBUCHSTABEN schreiben will. Mit dem "großen Eszett" (also ) kann man zwar GROẞBUCHSTABEN schreiben, aber das ist eine Neuerung mit ein paar technischen Schwierigkeiten.

Die Rechtschreibreform von 1999 bis 2006 hat zwar eine gewisse Verbesserung gebracht, aber das Problem nicht komplett gelöst.

Regel 1:

Unterscheidung zwischen ss und ß (gilt seit der Rechtschreibreform).
kurzer Vokal ⇒ ss
langer Vokal oder Diphtongß

Regel 2:

Unterscheidung zwischen s einerseits, und ss oder ß andererseits.
Dafür gibt es keine klare, eindeutige Regel. (*) Das heißt: Man muss für jedes Wort die richtige Schreibweise lernen.

Fazit:

Wegen Regel 2 hat die Regel 1 nur einen begrenzten Nutzen. Regel 1 kann helfen, einen Teil der möglichen Fehler zu vermeiden. Das betrifft vor allem die Wörter, die sich bei der Rechtschreibreform verändert haben.

Ausnahmen:

  • Wenn es infolge eines äußeren Zwangs (z.B. technische Begrenzungen) unmöglich ist, ein ß zu verwenden, darf man es ausnahmsweise durch ss ersetzen.
  • Eigennamen werden durch die neuen Rechtschreibregeln nicht verändert.

(*)
Fußnote: Es gibt hierfür zwar gewisse Regeln, die aber schwierig anzuwenden und oft nicht eindeutig sind.

Was soll man mit dem 'ß' machen, wenn man mit Großbuchstaben schreiben will? Zum Beispiel auf Straßenschildern? Dafür gibt es zur Zeit gleich drei "erlaubte" Möglichkeiten:

  • Großbuchstabe 'ẞ':  GROẞE SCHWEIẞFUẞSTRAẞE
    Optisch beste Variante. Aber der Großbuchstabe 'ẞ' wurde erst vor wenigen Jahren so richtig eingeführt. Die technische Verfügbarkeit ist begrenzt, die Akzeptanz ebenso.

  • Ersetzen mit 'SS':  GROSSE SCHWEISSFUSSSTRASSE
    Übliche Lösung, seit Jahrhunderten und auch jetzt noch. Aber die Rechtschreibung wird verfälscht, denn die Unterscheidung von 'ß' und 'ss' geht verloren.

  • Kleinbuchstabe 'ß':  GROßE SCHWEIßFUßSTRAßE
    Weniger schön, aber trotzdem möglich. Es wird bisher oft auf Ausweisen so gemacht, um Namen mit 'ß' richtig zu schreiben.

Alles klar? Wer die Wahl hat, hat die Qual.  ;-)

Den Großbuchstaben 'ẞ' kann man übrigens (nur bei Windows 8 und 10) auf einer normalen deutschen Tastatur mit dieser verkrampften Tastenkombi eingeben:  ⇧  AltGr  ß   (drei Tasten gleichzeitig). Auf den neuartigen "Europatastaturen" (Belegung T2) ist dagegen  AltGr  H  richtig. In neueren Textsystemen geht es oft über das Menü, mit "Einfügen→Symbol" (bzw. "Sonderzeichen") und dem Zeichencode 1E9E (Unicode hex.). Aber nicht alle Fonts enthalten diesen Buchstaben.

Nein, ich wohne nicht in der Großen Schweißfußstraße.  :-)

 

Ich denke, der Lesefluss und die einheitliche Textfarbe sollten im Vordergrund stehen. Zwar sind Großbuchstaben ohnehin schwer zu lesen, doch aufgrund der Gewohnheit ist die Optik des »ẞ« immer noch ungewohnt und deshalb schwerer zu lesen. Zudem ist die Dichte an Strichen in jenem Buchstaben zu hoch, um zu einer optisch einheitlichen Textfarbe zu führen.

Das optische Ergebnis hängt halt vom Font ab. Das große Eszett soll optisch möglichst gut mit den Großbuchstaben harmonieren (deshalb wurde es eingeführt), das kleine Eszett mit den Kleinbuchstaben. Man braucht das große Eszett eh nur zum Schreiben in Großbuchstaben, denn ein Eszett steht nicht am Wortanfang. Die "Gewohnheit" ist freilich ein gewichtiger Faktor.

 

Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die optische Wirkung sein kann.

Wenn man sich ein bissel von der Gewohnheit löst, passt das große Eszett m.E. häufig besser in die Versalschrift als das kleine. Die höhere "Dichte an Strichen" sehe ich eher beim kleinen Eszett, weil es meist schmaler ist.

Sehr viele Fonts haben übrigens kein eigenes großes Eszett, importieren es aber als Sonderzeichen. Das kann dann natürlich richtig doof aussehen.

 

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