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Sollten Polizei & Medien, Nationalität von Verdächtigen/Verbrecher nennen? Vor allem wenn es um Migranten geht..?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am Mo., 09. Dezember 2019 - 20:40

Sollten Polizei und Presse immer Nationalität , ethnische und religiöse Zugehörigkeit von Verdächtigen oder Verurteilen nennen? Welche Nebenwirkungen würde so eine Veränderung haben?

  1. Meinung 1: Ja man sollte sie nennen, das würde der Rechtspopulisten den Wind aus den Segeln nehmen.
  2. Meinung 2: Nein, das würde zu mehr Diskriminierung und am Ende zu mehr Kriminalität/Unsicherheit führen.
  3. Meinung 3: ?

 

Umfrage

Sollte man Nationalität von Verdächtigen immer nennen?

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Nichts ist wichtiger als das Vertrauen. Wenn die Medien einige Informationen absichtlich verbergen, geht das Vertrauen verloren. Wenn Menschen Vertrauen an Medien, Polizei, Behörden, Gerichte verlieren, fängt eine sehr gefährliche Phase an. Damit man solche Katastrophen verhindern kann, sollen Medien transparent berichten, auch wenn es einige negative Nebeneffekte geben wird. Wie man Schaden begrenzen und schädliche Folgen wieder gut machen kann, soll nächste Aufgabe werden. Aber ohne unehrliche Berichterstattungen und Statistiken!

"... auch wenn es einige negative Nebeneffekte geben wird. ..."

Diese negativen Nebeneffekte richten sich allerdings ganz konzentriert gegen Menschen mit der gleichen Nationalität wie der Täter. Bei deutschen Tätern passiert das aber nicht, nur bei Ausländern. Das ist ebenfalls ein großes Problem.

Wir konnten in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit verschiedene Varianten sehen, und es gab Probleme mit allen Varianten:

  1. Keine Angaben zu Staatsbürgerschaft und Ethnie der Täter:
    Wilde Spekulationen in sozialen Medien. Falls ein Migrationshintergrund der Täter bekannt wird (z.B. durch Augenzeugen, Verhaftungen, Indiskretionen), wirkt es unehrlich und hilft der Propaganda rassistischer Kräfte.
  2. Angaben zur Staatsbürgerschaft und (teilweise) zum Geburtsort, aber nicht zur Ethnie:
    Wenn ein "in Deutschland geborener Deutscher" in Wahrheit einen Migrationshintergrund hat, passiert das Gleiche wie bei Punkt 1.
  3. Zusätzliche Angabe des Vornamens (der Nachname wird meist abgekürzt):
    Manche Vornamen lassen die Ethnie erkennen, andere nicht. Deshalb wirkt hier der Zufall, was dem Problem sicher nicht gerecht wird.
  4. Vollständige Angaben einschließlich ethnischer Zugehörigkeit und Migrationshintergrund:
    Die subjektive Sichtbarkeit von Tätern, die zu Minderheiten gehören, wird stark erhöht, so dass der kriminelle Anteil solcher Gruppen höher erscheint als er ist.
  5. Informationen über die Täter werden absichtlich zurückgehalten oder verfälscht:
    Das kann manchmal Ermittlungstaktik sein, denn die veröffentlichten Infos erreichen ja auch die Täter, nach denen die Polizei sucht. Aber natürlich wird es überwiegend als "Lüge" ausgelegt.

Generell würde ich trotz allem die "ehrliche" Variante bevorzugen. Aber das beantwortet nicht alle Fragen. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Täter mit dem Namen Paul Meyer ist in einer deutschen Familie mit deutschen Adoptiveltern aufgewachsen, sieht aber nicht wie ein Deutscher aus. Soll man jetzt tatsächlich schreiben, dass er dunkelhäutig ist und dass er als Säugling aus einem ausländischen Waisenhaus adoptiert wurde?

Zur Nennung der Nationalität habe ich noch folgende Geschichte: Nach seiner Verhaftung wurde mitgeteilt, dass der "Berliner U-Bahn-Treter" aus Bulgarien stammt. Eine entfernte Verwandte von mir, die selbst in Bulgarien geboren ist, sagte dazu: "Das ist kein Bulgare, das ist ein Zigeuner."

Wenn man den Herkunft nennt, ist es definitiv ungerecht. Wenn man ihn nicht nennt, werden Ultrarechte noch stärker und am Ende werden bestimmte Gruppen noch mehr diskriminiert. Also die zweite Option ist praktisch auch ungerecht und vielleicht noch schädlicher. Eine gute funktionierende Alternative fällt mir leider nicht ein.

Im traditionellen Pressekodex des Deutschen Presserates gibt es diese Regel:

12.1 Berichterstattung über Straftaten

In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Der Pressekodex ist eine freiwillige Selbstverpflichtung, kein Gesetz (sonst wäre er nämlich Zensur). Über die Regel 12.1 gibt es seit einiger Zeit intensive Kontroversen, denn das absichtliche Weglassen wird natürlich von den Menschen bemerkt und überwiegend negativ bewertet.

Der Ursprung dieser Regel liegt übrigens (angeblich) vor etwa fünfzig Jahren, in der Berichterstattung über negative Vorfälle mit in der BRD stationierten amerikanischen Soldaten. Es ging darum, ob man über die Hautfarbe der Täter informieren sollte.

 

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