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Wie kann man wissen ob man Corona gehabt hat? Wie viel kostet ein Antikörper test? Ab wann macht es Sinn?

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am Di., 13. Oktober 2020 - 15:19

Da wir eine Grippe/Erkältung oä ähnliches haben, was lange gedauert hat als üblich, denken wir mittlerweile, dass es auch Covid19 sein kann. Wir haben Corona-Hotline angerufen aber kaum Hilfe bekommen. Berater am Telefon hat uns vorgeschlagen, dass wir übers Internet nach Testzentren oder Kliniken suchen sollen. Dafür braucht man kein Hotline.

  • Wie kann man wissen ob man Corona gehabt hat?
  • Wie viel kostet ein Antikörper test? Übernimmt Krankenkasse die Kosten?
  • Wie zuverlässig ist ein Bluttest?
  • Ab wann macht ein Bluttest Sinn? Sollte der Test positiv fallen, macht es Sinn Abstrich Test zu machen?
  • Kann man andere menschen nach 20-30 Tagen immer noch anstecken? 

 

Spätestens nach 14 Tagen kann man niemanden mehr anstecken, und das Virus lässt sich nicht mehr nachweisen.

Die Antikörper lassen sich theoretisch länger nachweisen. Aber diese Tests gelten bisher als unzuverlässig. Außerdem läuft die Antikörperbildung bei verschiedenen Erkrankten offenbar unterschiedlich ab.

Also: Man wird es nicht wirklich wissen, auch wenn man einen Antikörpertest macht.

 

Das gilt nur für Menschen ohne Symptome, gerechnet ab einem möglichen Risikokontakt. Bei Symptomen gilt es erst ab 2 Tage nach dem Ende der Symptome und frühestens 10 Tage nach Symptombeginn. Bei einem positiven Test gilt es frühestens 10 Tage nach dem Test, aber nur bei 2 Tagen ohne Symptome.

Mit geringerer Wahrscheinlichkeit kann es länger dauern, aber das sind die Zahlen mit denen die Behörden derzeit bei der Quarantäne rechnen.

 

Einen kostenlosen Test kriegt man zur Zeit entweder durch eine Anordnung des Gesundheitsamtes (nur bei konkretem Verdacht) oder durch die Entscheidung eines Arztes (nur bei medizinischer Notwendigkeit).

Anderenfalls kostet ein Test zwischen 40,- und 150,- (ungefähr). PCR-Tests sind teurer (und genauer) als Schnelltests.

 

  1. PCR-Test (auch: RT-PCR o.ä.):
    Probe: Abstrich (Mund/Nase)
    Dauer: mindestens mehrere Stunden (Labor)
    Nachweis: Virus-Erbmaterial
    Empfindlichkeit: hoch
    Genauigkeit: hoch (reagiert nur auf Covid19-Viren)
     
  2. PCR-Schnelltest
    Probe: Abstrich (Mund/Nase)
    Dauer: etwa eine Stunde (tragbares "Minilabor")
    Nachweis: Virus-Erbmaterial
    Empfindlichkeit: relativ hoch
    Genauigkeit: relativ hoch (reagiert nur auf Covid19-Viren)
     
  3. Antigentest
    Probe: Abstrich (Mund/Nase)
    Dauer: etwa 15 Minuten (Schnelltest), bis zu einigen Stunden (Labor)
    Nachweis: Virus-Proteine
    Empfindlichkeit: niedrig
    Genauigkeit: eher niedrig (reagiert auch auf manche anderen Viren)
     
  4. Antikörpertest
    Probe: Blut (Fingerkuppe)
    Dauer: wenige Minuten (Schnelltest), bis zu einigen Stunden (Labor)
    Nachweis: Antikörper des Immunsystems (keine Viren)
    Empfindlichkeit: unbekannt
    Genauigkeit: unsicher, hohe Fehlerquoten

 

Erklärungen und Bemerkungen:

  • Nr. 1, 2 und 3 liefern Hinweise auf eine aktuelle Erkrankung.
  • Nr. 4 liefert Hinweise auf eine frühere Erkrankung oder Impfung.
     
  • Nr. 1, 2 und 3 sind nur "Momentaufnahmen" einer Erkrankung. Man kann schon kurze Zeit nach einem negativen Test ansteckend werden.
    Eine wirkliche "Entwarnung" gibt es nicht.
  • Nr. 4 ist sehr unsicher, vor allem weil die Immunsysteme der Menschen unterschiedlich reagieren und weil das Wissen darüber noch nicht ausreicht. Der Test kann für den Einzelnen weder die Immunität garantieren (wenn positiv), noch eine frühere Erkrankung ausschließen (wenn negativ). Er eignet sich eigentlich nur für statistische Untersuchungen großer Gruppen.
     
  • Nr. 1 und 2 reagieren auch auf kleine Virusmengen, manchmal noch nach der Genesung (wahrscheinlich durch Einzelteile defekter Viren). Von daher können sie falsch-positiv sein. Eine Differenzierung bringt der "CT-Wert", den manche Labore angeben (nur bei Nr. 1). Für diesen Wert gibt es aber noch keinen einheitlichen Maßstab (allgemein: höherer Wert → weniger Viren).
  • Nr. 3 reagiert erst bei großer Anzahl von Viren und ist deshalb häufig falsch-negativ,  d.h. Infizierte werden nicht erkannt. Andererseits kann dieser Test auch auf manche anderen Arten von Viren reagieren und ist dann falsch-positiv.
     
  • Nr. 1, 2 und 3 erfordern eine korrekte Probenentnahme (sehr weit hinten im Rachen), sonst sind sie häufig falsch-negativ. Deshalb muss eine qualifizierte Person die Probe entnehmen, damit der Test gültig ist.
  • Nr. 1 und 2 können durch Fremdstoffe (z.B. Alkohol, manche Nasensprays und Lutschpastillen) gestört werden. Sie sind dann evtl. ungültig oder falsch-negativ.
     
  • Nr. 2 ist deutlich schneller als Nr. 1 (es entfällt ja auch der Transport), und etwas schlechter. Aber besonders teuer.
  • Nr. 3 und Nr. 4 gibt es in vielen Ländern (und im Internet) auch als Selbsttest zu kaufen. Die Zuverlässigkeit ist gering.
  • Die Begriffe "Antigentest", "Antikörpertest" und "Schnelltest" werden oft fehlerhaft oder ungenau verwendet, so dass man nicht weiß, ob Nr. 2, 3 oder 4 gemeint ist.

 

Genaueres über Antikörper, und wie Antikörpertests zu bewerten sind, ergibt sich aus diesem Bild:

Bild 1
Bildquelle: IMD Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam GbR, Webauftritt

 

 

Es interessieren hier nämlich verschiedene Typen von Antikörpern, die als IgM, IgA und IgG bezeichnet werden. Die derzeitigen Antikörpertests zeigen häufig zwei davon an, entweder IgM+IgG oder IgA+IgG. Die PCR- und Antigentests reagieren dagegen auf die Viruslast, wobei die Antigentests nur bei hoher Viruslast ansprechen, die PCR-Tests auch bei geringerer Viruslast.

Wie man im Bild sieht, sind die IgM- und IgA-Antikörper in der späteren Phase einer akuten Erkrankung schon nachweisbar, aber sie verschwinden nach ein paar Wochen wieder. Die IgG-Antikörper erscheinen deutlich später, und es ist unbekannt wie lange sie bestehen bleiben. 

In jedem Fall werden die Antikörpertests erst dann positiv, wenn man seine Viren schon ein paar Tage lang in der Gegend verbreitet hatte. Als Vorsichtsmaßnahme sind diese Tests also ungeeignet. Außerdem gibt es einen Anteil an Infizierten, bei denen überhaupt keine Antikörper nachweisbar sind, weder während der Infektion noch später.

Ein positiver Antikörpertest ist allerdings (mit einer gewissen Unsicherheit) ein Hinweis darauf, dass man irgendwann einmal infiziert war. Falls nur IgG positiv ist, liegt das wahrscheinlich schon länger zurück. Der Umkehrschluss gilt aber nicht: Menschen ohne Antikörper können trotzdem schon einmal infiziert gewesen sein.

Bin ich denn immun? Diese Frage kann bisher niemand zuverlässig beantworten. Es ist noch nicht klar, ob die Existenz dieser Antikörper wirklich eine Immunität garantiert. Andererseits können vielleicht auch Menschen immun sein, bei denen sich diese Antikörper nicht nachweisen lassen.

Die Diagramme beruhen übrigens überwiegend auf Daten von Menschen, bei denen die Krankheit mittel bis schwer verlief. Bei leichten und bei unauffälligen Verläufen sind die Reaktionen vermutlich schwächer.

Fazit: Für den Einzelnen hat ein Antikörpertest nicht viel Nutzen. Falls er negativ ist, weiß man eigentlich gar nichts. Falls er positiv ist, kann man zumindest vermuten, dass man das Virus mal hatte (oder gerade im Moment hat).

Viel ausführlicher ist es in → diesem Artikel des IMD Berlin erklärt, aus dem auch das Bild stammt.

 

Ja, auch das kann man kaufen, z.B. in Österreich (für rund 150,-). Aber Achtung: Dieser Test enthält im Wesentlichen Materialien, um eine Probe zu entnehmen und an ein Labor zu schicken. Versand und Auswertung sind mit dem Preis schon bezahlt, aber evtl. nur in dem Land für das der Test verkauft wurde. Bis zum Ergebnis dauert es (laut Anbietern) 12 bis 48 Stunden, ab Eintreffen der Probe im Labor.

 

Es gibt inzwischen Pläne von Supermärkten und Drogerieketten in Deutschland, in Kürze solche Schnelltests zu verkaufen.

Es scheint sich jeweils um Antigen-Schnelltests mit "Laienzulassung" zu handeln. Die Probenentnahme kann, außer durch Abstrich, je nach Test evtl. auch durch Spucken oder Gurgeln erfolgen.

Einschränkungen (wegen der Unsicherheit solcher Tests):

  • wenn positiv: durch PCR-Test abklären
  • wenn negativ: Vorsichtsregeln trotzdem anwenden

 

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